Antiisraelische Italiener missbrauchen die Erinnerung an den Holocaust

Antiisraelische Italiener missbrauchen die Erinnerung an den Holocaust

Manfred Gerstenfeld interviewt Angelo Pezzana, 23. Januar 2012 (direkt vom Autor)

„Im Januar 2012 sagte Ricardo Pacifici, Präsident der Jüdischen Gemeinde von Rom, dass wir jedes Jahr um den nationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar ‚Zeugen von Empörendem und Provokationen werden, die wir nicht länger tolerieren können.‘ Pacifici reagierte, nachdem Vandalen neu gelegte Gedenk-Stolpersteine beseitigt hatten, Pflastersteine mit Messingplakette auf der Oberseite, die die Namen von Holocaust-Opfern tragen. Diese Steine werden im Bürgersteig vor Gebäuden eingelassen, in denen die lebten, derer gedacht wird.“

Angelo Pezzana ist italiensicher Journalist. 2001 gründete er die Internetseite www.informazionecorretta.com. Diese hat viele tausend Abonnenten und Besucher; in der Hauptsache bietet sie tägliche kritische Analysen der italienischen Medien. Sie ist außerdem eine führende italienische Informationsquelle zu politischen Themen, die Israel und den Antisemitismus betreffen.

Pezzana sagt: „Am 20. Juli 2000 verabschiedete das italienische Parlament das Gesetz 211, in dem es ausdrücklich heißt: ‚Die italienische Republik erkennt den 27. Januar – das Datum, an dem die Tore von Auschwitz niedergerissen wurden – als Erinnerungstag für die Rassengesetze, die Verfolgung der jüdischen Bürger durch Italien, die deportierten, eingekerkerten und ermordeten Italiener wie auch derer, die in unterschiedlichen Organisationen gegen das Vernichtungsprojekt opponierten und unter Einsatz ihres eigenen Lebens das Leben anderer retteten und die Verfolgten schützten.‘

Der Gesetzestext ist klar. Es ist wichtig, dass es auch die Verantwortung der faschistischen Kollaborateure Italiens einschließt. Die Absichten des italienischen Parlaments waren zwar gut – die Erinnerung sollte am Leben erhalten werden – aber einige Ergebnisse waren negativ, wie Pacificis Äußerung andeutet.

Der Schoah wurde bereits viele Jahre gedacht, bevor das Gesetz in Kraft trat; Zeitungen brachten die Zeugnisse von Überlebenden, Fernsehsender zeigten Filme und es wurden entsprechende Dokumentarfilme mit Originalfotografien aus Archiven erstellt. In Schulen wurden Texte berühmter Schriftsteller wie Primo Levi gelesen. Lehrer diskutierten deren Inhalte mit ihren Schülern. Die Autoren wurden regelmäßig eingeladen vor den Schülern zu sprechen.

Damals war Erinnerung noch etwas Respektvolles. Diejenigen, die Israel hassten, wagten es nicht öffentlich gegen die zu demonstrieren, die den jüdischen Staat wiedererrichtet hatten. Diese Leute nahmen sogar an den Erinnerungsveranstaltungen gegen ermordete Juden teil, weil sie Angst hatten als Antisemiten eingestuft zu werden.

Den 27. Januar als Tag der Erinnerung festzulegen hat aus ihm in ein nationales Ereignis gemacht, zu dem jeder seine Meinung bekunden kann, so erbärmlich sie auch sein mag. Letzteres geschieht meistens in Schulen. Es werden Treffen mit hunderten Schülern abgehalten, zu denen linksextreme Professoren als Sprecher eingeladen werden. Sie präsentieren die Schoah auf eine verzerrte Art und Weise. Dies führt danach zu einer öffentlichen Diskussion, in der gewöhnlich die Verbrechen der Nazis mit der Politik Israels verknüpft werden.

Diese Hassprediger sind verbal so gewalttätig, dass Moderate ihre Meinung nicht äußern können. Ich habe an einer Reihe solcher Treffen teilgenommen. Die entsetzliche Vergangenheit wurde schnell vergessen, um den Hass auf Israel zum Ausdruck zu bringen. Der am häufigsten wiederholte Satz war: ‚Israel tut den Palästinensern an, was die Nazis den Juden antaten.‘

Das sind keine isolierten Ereignisse. Sie sind das Ergebnis von Jahrzehnten der Propaganda, die aus dem Umfeld linksgerichteter Politik, Gewerkschaften und Kirchen kommt. Das gilt nicht nur für die dominante katholische Kirche, sondern auch für verschiedene Protestanten. Kirchen sind sehr oft Gastgeber von Treffen mit propalästinensischen Rednern. Die Teilnehmer dieser Propaganda-Versammlungen haben kein angemessenes Wissen zu den Fakten und sind bereit zu akzeptieren, was immer dort vortragen wird. Dies um so mehr, als Priester anwesend sind, die völlig mit dem dort gesagten übereinstimmen.

In intellektuell höher stehende Veranstaltungsorte wie z.B. Universitäten werden antiisraelische Israelis zu Vorträgen eingeladen. Das ist eine schmutzige, aber effektive Art Israel zu delegitimieren. Shlomo Sand, Professor für Geschichte an der Universität Tel Aviv, besuchte 2011 Italien. Sein Buch The Invention of the Jewish People(Die Erfindung des jüdischen Volks) ist in viele Sprachen übersetzt worden. Sand behauptet, das jüdische Volk habe nie existiert. All dies ist Teil des politischen Krieges gegen Israel. In diesem werden subtile Techniken eingesetzt und er erscheint damit noch überzeugender.

Durch diese Manipulationen ist die Schoah zu einem effektiven Werkzeug gegen Israel geworden. Mit der Rechtfertigung der Erinnerung an 6 Millionen ermordete Juden werden Anstrengungen unternommen, dieselben Ergebnisse bezüglich 6 Millionen lebender Juden zu erzielen. Die Absicht des italienischen Parlaments war radikal anders, doch das Gesetz 211 liefert eine unerwartete Plattform für all die, die anstreben den jüdischen Staat Israel auf jede erdenkliche Weise zu verleumden.“

 

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