Die antiisraelische Politik des Weltkirchenrats

Die antiisraelische Politik des Weltkirchenrats

Manfred Gerstenfeld interviewt Dexter van Zile (direkt vom Autor)

„Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK, auch Weltkirchenrat), die 1948 gegründete Dachorganisation für 349 protestantische und orthodoxe Kirchen, ist gegenüber Israel weitgehend feindlich eingestellt, insbesondere in Zeiten des Konflikts. ÖRK-Institutionen dämonisieren Israel, benutzen zweierlei Maß zur Bewertung seines Handelns und delegitimieren bisweilen den jüdischen Staat. Sie haben auch beharrlich die Absicht der Widersacher Israels geleugnet, dass diese dem jüdischen Volk sein Recht auf einen souveränen Staat rauben wollen.

Der ÖRK misst Israel häufig mit zweierlei Maß. Wenn er Israel verurteilt, spricht der ÖRK laut und unzweideutig von den „furchtbaren“ Dingen, die der jüdische Staat getan habe. Tut einer von Israels Nachbarn etwas weit Schlimmeres, verfällt der ÖRK in fromme Unverständlichkeit, die den Leser sich fragen lässt, wer genau wem was getan hat.“

Dexter Van Zile ist ein christlicher Medien-Analytiker des Committee for Accuracy in Middle East  Reporting in America (CAMERA). Seine Schriften sind in zahlreichen amerikanisch-jüdischen Zeitungen erschienen, ebenso in der Jerusalem Post, den Ecumenical Trends und demBoston Globe.

Van Zile sagt, dass einige wenige der vielen Beispiele aus den letzten Jahrzehnten repräsentativ für den immer wieder auftretenden Antiisraelismus des ÖRK sind: „Die Antwort des ÖRK auf die Ereignisse im Libanon in den 1970-er und 1980-er Jahren war einfach. In seinen Erklärungen verfehlte es der ÖRK die PLO für deren Tun verantwortlich zu machen; stattdessen verurteilte er lautstark Israel. Er offerierte in diesen Jahrzehnten vage und diffuse Verurteilungen von Massakern im Libanon, verfehlte es aber Einzelheiten sowohl zur Identität der Opfer, als auch der Identität und Motive der Täter anzuführen. Als aber Israel 1982 in den Libanon einmarschierte, verurteilten ÖRK-Institutionen Israel energisch und unterstellten ihm dabei bösartige Absichten.

Der Rat der Kirchen des Nahen Ostens hat den ÖRK dazu bewegt Israel zu verurteilen. Andererseits war die russisch-orthodoxe Kirche in der Lage den ÖRK davon abzuhalten die sowjetische Invasion Afghanistans in den 1980-er Jahren zu verurteilen.

2005 gab der Zentralrat des ÖRK der Unterstützung für die antiisraelische De-Investionskampagne in protestantischen Mainline-Kirchen Amerikas Ausdruck. Nachdem die Vollversammlung der Presbyteriansche Kirche (der USA) eine De-Investitionsresolution verabschiedete, in der es hieß Israels „Besatzung“ sei die Wurzel der Gewalt gegen Unschuldige auf beiden Seiten des Konflikts – als ob die antisemitische Hetze in der palästinensischen Gesellschaft irgendetwas mit dem Konflikt zu tun hätte – gab der Zentralrat des ÖRK eine „kurze Niederschrift“ aus, mit der der Entscheidung Beifall gezollt wurde. “Dieses Tun ist lobenswert, sowohl was die Mittel als auch die Methode angeht; sie nutzt Kriterien, die im Glauben wurzeln und fordert die Mitglieder auf ‘Dinge zu tun, die dem Frieden dienen‘ (Lukas 19,42).”

Im Juni 2010 gab ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit eine öffentliche Erklärung ab, in der er die Konfrontation beklagte, die zwischen israelischen Kommandotruppen und Passagieren an Bord der Mavi Marmara stattfand; das Schiff war Teil der Flottille der Free-Gaza-Bewegung und versuchte unter Nutzung der Deckung durch westliche Friedensaktivisten in der Türkei ausgebildete Jihadisten in den Gazastreifen zu bringen.

Tveit stellte die Ereignisse falsch dar, als er schrieb: ‚Wir verurteilen den Angriff und die Tötung unschuldiger Menschen, die an Bord der Mavi Marmara versuchten den Menschen im Gazastreifen humanitäre Hilfe zu bringen, die seit 2007 einer lähmenden israelischen Blockade ausgesetzt sind.‘ Tveit fuhr fort mit der Verurteilung ‚der ungeheuerlichen Verletzung des internationalen Rechts, die Israel durch den Angriff und die Enterung eines humanitären Konvois in internationalen Gewässern beging.‘ Das war eine Lüge, denn das internationale Recht erlaubt Israel genau so zu handeln, wie es das tat.

Der ÖRK hat zwei Gremien eingerichtet – das Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel (EAPPI – Ökumenisches Begleitprogramm in Palästina und Israel) und das Palestine Israel Ecumenical Forum (PIEF – Ökumenisches Forum Palästina-Israel) – deren einzige Aufgabe es ist Israels ‚Besatzung‘ der Westbank und des Gazastreifens zu beenden. Es gibt nichts Vergleichbares für irgendein anderes Land.

Die Haltung des ÖRK zur Verfolgung der koptischen Christen in ihrer Heimat Ägypten sieht radikal anders aus. Die Kopten sind regelmäßig gewalttätigen Mobs ausgesetzt gewesen und ihre Kirchen wurden abgebrannt. Sie werden im Fernsehen und im Internet von muslimischen Extremisten dämonisiert, beschuldigt muslimische Frauen zu entführen und sie zum Übertritt zum Christentum zu zwingen, obwohl in Wahrheit koptische Frauen und Mädchen von ihren Nachbarn vergewaltigt, entführt und zum Übertritt zum Islam gezwungen werden.

Der ÖRK hat seine Sorge über die Lage der Kopten in Ägypten geäußert. Bemerkenswert ist aber das Fehlen jeglicher Verurteilung des –in Ägypten regierenden – Obersten Rats der Streitkräfte dafür, dass er es versäumt die koptischen Christen zu schützen. Er spricht auch nicht offen von dem, was geschieht. Weder das National Council of Churches in the U.S. noch eine der der protestantischen Mainline-Kirchen in den USA, die Israel in den letzten Jahren so regelmäßig und lautstark angegriffen haben, tun das.

Die Schlussfolgerung ist unvermeidbar: Die Besessenheit des ÖRK mit Israel, mit der behauptet wird es sei die Quelle aller Probleme im Nahen Osten, hat es der Organisation unmöglich gemacht einen andauernden Feldzug religiöser Säuberungen zu thematisieren, der von muslimischen Extremisten gegen Christen in mehrheitlich muslimischen Ländern nicht nur des Nahen Ostens geführt wird. Folglich können diese Muslime eine langsame, zermahlende Kampagne zur Eliminierung der Christenheit aus dem Nahen Osten führen, ohne dazu vom Ökumenischen Rat der Kirchen deswegen wirksam konfrontiert zu werden.“

 

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