Die mächtige saudische Lobby in den Vereinigten Staaten

Die mächtige saudische Lobby in den Vereinigten Staaten

Manfred Gerstenfeld interviewt Mitchell Bard (direkt vom Autor)

Israels Feinde haben beständig behauptet, eine mächtige Israel-Lobby in den Vereinigten Staaten agiere gegen die amerikanischen Interessen. In Wahrheit spiegelt die israelische Lobby die Ansichten des amerikanischen Volks, während die wenig bekannte arabische Lobby weithin unbeobachtet daran arbeitet amerikanische Interessen, Werte und Sicherheit auszuhöhlen.

Die Bestandteile dieser Lobby sind heterogen. Ein Element sind die Diplomaten aus 21 arabischen Staaten und diejenigen einer Reihe nicht arabischer islamischer Nationen. Andere sind US-Verteidigungsfirmen, von arabischen Staaten beschäftigte ehemalige amerikanische Regierungs-Mitarbeiter, Unternehmen mit Geschäftsinteressen im Nahen Osten, eine Anzahl Menschenrechts-NGOs und die Vereinten Nationen. Dem sollte man zahlreiche Akademiker hinzufügen (hauptsächlich aus dem Fakultäten der Nahost-Studien), außerdem Mitglieder der Medien- und Kulturelite, mehrere nicht evangelikale christliche Gruppen wie auch amerikanische Araber und Muslime. Die weitaus potentesten arabischen Lobbyisten sind jedoch die Saudis.

Dr. Mitchell G. Bard ist geschäftsführender Direktor der gemeinnützigen American-Israeli Cooperative Enterprise (AICE). Er ist außerdem Direktor der Jewish Virtual Library, den umfassendsten Online-Enzyklopädie für jüdische Geschichte und Kultur. Bard hat mehr als zwanzig Bücher veröffentlicht, das letzte davon „The Arab Lobby“.

Er merkt an: Arabische Lobbys haben keine signifikante Unterstützung auf der Graswurzelebene. Sie operieren daher auf andere Art als AIPAC, die wichtigste amerikanische Organisation zur Verteidigung der Interessen Israels. Die saudische Lobby setzt hauptsächlich eine Herangehensweise „von oben nach unten“ ein. Ihre wichtigstes Anliegen besteht darin, sicherzustellen, dass die Köpfe der königlichen Familie auf ihren Schultern bleiben; während sie also Lippenbekenntnisse für die Sache der Palästinenser ablegen, ist das Überleben des Hauses Saud das, was am meisten zählt.

Die Saudis haben fast unbegrenzte finanzielle Ressourcen, die sie nutzen, um ehemalige offizielle Vertreter der USA in der Hoffnung zu belohnen, dass diese immer noch die Leute im Amt beeinflussen. So sagte einst Prinz Bandar, ehemaliger saudischer Botschafter in den USA, wenn die Saudis einen Ruf dafür bekommen für ihre Freunde zu sorgen, wenn die ein Amt abgeben, „dann wären Sie überrascht, wie viel bessere Freunde Sie haben, die gerade erst ins Amt kommen“.

Die ehemaligen Regierungsvertreter können die Saudis anleiten, wie sie die politischen Entscheidungsträger der USA manipulieren können. Sie können die Kontakte nutzen, die sie während ihrer Karriere bei der Regierung entwickelten, um saudischen Zugang zu den Entscheidungsträgern zu verschaffen. So, wie die Medien sich oft auf sie verlassen, um als „unparteiische Experten“ Fragen des Nahen Ostens zu kommentieren, können sie auch als saudische Propagandisten agieren.

Viele amerikanische Entscheidungsträger glauben, dass die USA von den Saudis abhängig sind, weil diese den Welt-Ölmarkt steuern; zu einer solch faustischen hat sich die Beziehung zwischen den beiden Ländern entwickelt. Die Saudis verkaufen den USA Öl dafür, dass Amerika das saudische Regime schützt. Die Saudis agieren auch wie Drogendealer, die die USA in die Abhängigkeit vom Öl hinein manipulieren. Der Preis wird hoch genug gehalten, um riesige Profite zu machen, aber tief genug, um von bedeutenden Investitionen in alternative Energiequellen abzuhalten.

Clark Clifford, politischer Berater von Truman, erkannte, dass die Vereinigten Staaten der saudischen Erpressung nicht nachgeben mussten. Er sagte 1948: „Die Arabischen Staaten müssen ihre Öl-Tantiemen haben, sonst gehen sie pleite. Sie brauchen die USA dringender als wir sie brauchen.“

Im gesamten Verlauf der Geschichte der Beziehungen zwischen den USA und den Saudis, befanden sich die Präsidenten in einer Position, die Unterstützung für amerikanische Politik im Gegenzug für den Sicherheitsschirm einzufordern, der die saudische Familie an der Macht hält, taten dies aber nicht. Selbst nachdem die USA das Königreich während des ersten Irak-Kriegs 1991 retteten, war Präsident Bush nicht bereit saudische Unterstützung beim Werben für den Frieden zwischen den Palästinensern und Israel einzuholen.

Zusätzlich zur Aushöhlung des US-Interesses an Frieden untergraben die Saudis amerikanische Werte, indem sie eine der repressivsten Gesellschaften beibehalten, die historisch Frauen, Juden, Christen und selbst ihre muslimische Minderheit der Schiiten diskriminierte.

Die Saudis sind auch bei Präsident Barack Obamas Werben für seine Friedenspläne nicht hilfreich gewesen. Sie waren nicht bereit auch nur ein einziges Zugeständnis an Israel zu machen, als er sie dazu in den letzten Jahren aufforderte. Dennoch stimmte Obama einer wichtigen Waffenlieferung an Saudi-Arabien zu. Es gibt in der Vergangenheit ähnliche Beispiele. Präsident Carter bat die Saudis 1978 vergeblich die Camp David-Vereinbarungen zu unterstützen. Nachdem er abgewiesen wurde, verkaufte er dem Königreich dennoch weiter Waffen.

Die Saudis waren außerdem auf viele Weise Terrorhelfer. Lange vor dem 9/11 war Saudi-Arabien ein wichtiger Geldgeber für den internationalen Terrorfeldzug der PLO. Die USA schauten indes weg. Die amerikanische Öffentlichkeit begriff die Rolle der Saudis im Terrorismus bis zum 9/11 nicht. Dann wurde bekannt, dass 15 der 19 Flugzeugentführer Saudis waren. Wie wir aus Wikileaks und anderen Quellen erfuhren, sind die Saudis führende Helfer des Terrors. Stuart Levey, Finanzstaatssekretär in Verantwortung für die Verfolgung von Terrorgeldern, sagte es so: „Wenn ich irgendwie mit den Fingern schnippen und damit das Geld aus einem einzigen Land stoppen könnte, dann wäre das Saudi-Arabien.“

Die saudische Lobby arbeitet dementsprechend auf viele Weisen gegen die Interessen der USA. Je mehr das offen gelegt wird, desto besser wird es sowohl für die Vereinigten Staaten als auch die Demokratie an sich sein.

 

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