Wie die Delegitimierung Israels bekämpft werden kann

Wie die Delegitimierung Israels bekämpft werden kann

Kann die anhaltende Delegitimierung Israels bekämpft werden? Ein hochrangiger israelischer Beamter mit Karriere im Geheimdienst sagte mir, es könne diesbezüglich nichts unternommen werden. Das ist eine einfache Haltung: Wenn nichts getan werden kann, warum dann überhaupt etwas versuchen?

Das Thema Delegitimierung ist für Israel ein bedeutendes Problem. Verleumdung ist leicht, während Unwahrheiten aus der Welt zu schaffen schwierig, langwierig und oft teuer ist. Ein Beispiel: Die deutsche Dichterin, Antiisrael-Aktivistin und Hamas-Unterstützerin Irena Wachendorff behauptete Jüdin und Mitglied einer liberalen jüdischen Gemeinde zu sein sowie in der IDF gedient zu haben. Sie erklärte weiterhin, ihr Vater sei Jude und floh vor dem Zweiten Weltkrieg nach Großbritannien; ihre Mutter habe Auschwitz überlebt. Nach Recherchen, die die investigative deutsche Journalistin Jennifer Pyka vor zwei Jahren begann, hat Wachendorff inzwischen zugegeben, dass sie ihre Geschichte erfunden hatte. Sie diente nicht in der IDF, ihr Vater war während des Zweiten Weltkriegs in der deutschen Armee und für den Rest ihrer Behauptungen gibt es keine Belege.1

Das Muster, dem Auslandsjournalisten regelmäßig folgen, sieht ein wenig anders aus. Sie schreiben einen antiisraelischen Artikel, der oft wesentliche Daten oder eine verlässliche israelische Gegenmeinung auslässt. Das zu schreiben verlangt wenig Zeit. Dagegen müssen pro-israelische Medienbeobachter-Gruppen wie CAMERA und Honest Reporting sehr viel Zeit aufwenden, um die Lügen und Täuschungen offenzulegen.

In meiner beruflichen Laufbahn wurde ich einmal gebeten einer großen europäischen, multinationalen Firma zu helfen auf ordnungsgemäße Weise mit ihren Umweltproblemen und den vielen Angriffen umzugehen, denen sie durch Umweltaktivisten ausgesetzt war. Das Management der Firma war der häufig vorhandenen Meinung, dass diese Angriffe eine „Naturgewalt“ seien, gegen die man wenig unternehmen könne. Nach einiger Zeit wurden das zuständige Vorstandsmitglied und ich aufgefordert dem Aufsichtsrat unsere Erkenntnisse vorzulegen. Danach sagte der Vorstandsvorsitzende der Firma: „Heute habe ich zum ersten Mal begriffen, dass Umweltprobleme Angelegenheiten sind wie alle anderen, denen wir uns gegenüber sehen.“ Dieses Meeting veränderte die Wahrnehmungskultur des Mannes an der Spitze. Mit seiner Unterstützung sollten wir stückweise darab gehen, den niedrigeren Managementebenen bewusst zu machen, wie man mit Umweltproblemen und den Angriffen der „Grünen“ umgeht.

Dasselbe gilt für das Thema Delegitimierung. Seit Jahrzehnten haben es aufeinander folgende israelische Regierungen versäumt sich damit planmäßig zu befassen. Die Palästinenser haben systematisch damit Erfolg gehabt dem Mainstream der westlichen Welt ihr Narrativ einzuimpfen. Diese sieht heute in der palästinensischen Gesellschaft – deren Bemühungen um Massenmord und Terror gegen Israel weitgehend keinen Erfolg zeigen – Opfer der „brutalen Israelis“. Die Palästinenser haben ihren Erfolg durch die Hilfe von linksextremen und humanitären Rassistenerzielt, von denen ein Teil Israelis sind.

Was kann getan werden? Als ersten Schritt sollte die israelische Regierung endlich anerkennen, dass Delegitimierung ein Form von Krieg ist, die methodisch bekämpft werden muss. Als zweiter Schritt sollte eine Behörde benannt werden, die sich auf die Führung dieses Krieges konzentriert, so wie militärische und Cyber-Kriege ausgefochten werden. Der logische Kandidat dafür scheint der Mossad zu sein, der eine Sonderabteilung dafür schaffen muss. Die Ministerien der Regierung mit ihren schwerfälligen Bürokratien sind nicht in der Lage effektive Kriege zu führen.

Die konzeptionelle Herangehensweise ist ziemlich einfach. In einem ersten Schritt muss eine Bestandsaufnahme gemacht werden, wer im Kampf bereits auf Israels Seite steht und welcher Teil der Front von ihnen abgedeckt wird. Der zweite Schritt besteht darin zu analysieren, wie die Feinde agieren und wer sie finanziert. Das ist eine komplexere Aufgabe, denn die, die Delegitimierung und Antisemitismus betreiben, sind recht unterschiedlicher Herkunft; sie kommen aus muslimischen Ländern, sind Muslime in der westlichen Welt, Linke, Neonazis, Sozialdemokraten, liberale Christen, Akademikern, NGOs, Medien und so weiter. Viele Feinde gehören in mehr als eine Kategorie.

Der nächste Schritt besteht in der Untersuchung der Hauptkategorien der Lügen und Täuschungen, die wiederholt gegen Israel eingesetzt werden. Die Lügen sind relativ leicht zu kategorisieren. Die Täuschungen sind ein weit komplexeres Thema, weil sie die detaillierte Analyse von Themen verlangt wie: die Anwendung von zweierlei Maßstab, der Gebrauch moralischer Gleichsetzung von Mördern und Opfern, gefühlsduselige Appelle zur Reinwaschung von Kriminellen, die Umkehrung von Ursache und Wirkung und noch einige mehr.

Danach kann man systematisch die Methoden analysieren, über die Lügen und Täuschungen vermittelt werden. Darunter fallen die Medien, die Vereinten Nationen, das Internet usw. Man sollte auch auswerten, wie viel Schaden Israel und den jüdischen Gemeinden im Ausland von den Delegitimierern bereits zugefügt wurde.

Als nächstes sollte eine detaillierte und stimmige Strategie entwickelt werden, wie man diesen Krieg führt. Wie kann man die Palästinenser und andere Feinde Israels aus der Offensive in die Defensive drängen? Wie kann man sie mit wenig Zeitaufwand entlarven und dafür sorgen, dass sie viel mehr Zeit und Geld aufwenden müssen, um sich zu verteidigen? Strukturell ist das ein Projekt wie jedes andere. Es wird viel Zeit und auch Geld benötigen, die zumeist von der israelischen Regierung kommen müssen. Doch Geld ist nur der Anfang.

 

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