Antisemitismus und Antiisraelismus in Kanada

Antisemitismus und Antiisraelismus in Kanada

Manfred Gerstenfeld interviewt Ira Robinson (direkt vom Autor)

Antisemitismus und Antiisraelismus kommt in Kanada aus vielen Quellen. Überbleibsel rechtsgerichteten, rassistischen Antisemitismus sind aus früheren Jahrzehnten noch vorhanden. Linke Antiglobalisierungs-Elemente sind durch verschiedene kanadische Universitäten und einige Gewerkschaften repräsentiert, besonders in Quebec. Antiisraelische Aktivisten sind auch unter muslimischen Kanadiern zu finden, von denen viele erst vor kurzem aus Ländern hergekommen sind, in denen Antiisraelismus alltäglich ist.

Die Provinz Quebec ist historisch einer der primären Orte in Kanada für offene Erscheinungsformen – hauptsächlich in französischer Sprache – von Antisemitismus und Antizionismus, auch in den Medien. Der jährliche Bericht des Ombudsmanns der Canadian Broadcasting Corporation hat vor kurzem Radio-Canada, den französischsprachigen Sender des Netzwerks, aufgerufen „systematische Einseitigkeit“ in seiner Berichterstattung zu Israel anzugehen.

Er merkt an: Zahlreiche propalästinensische Organisationen arbeiten auf verschiedenen Campussen. Es gibt auch eine Reihe antizionistischer Professoren und Studenten. Meine eigene Universität, die jetzt recht friedlich ist, hat eine besonders problematische Geschichte, die den Krawallen entstammt, die Benjamin Netanyahu 2002 daran hinderte hier zu sprechen. In den vergangenen Jahren hat die York University in Toronto beträchtliche Spannungen zwischen pro- und antizionistischen Aktivisten erlebt. Es gibt allerdings keine Belege, dass die Spannungen an Universitäten wie Concordia oder York die jüdischen Einschreibungen langfristig beeinflusst haben.

Antiisraelische Aktivitäten wie die „Israel Apartheid Week“, die an der Universität Toronto 2005 entstand, finden weiter statt, ohne die Publizität oder offene Spannungen der Vergangenheit hervorzurufen. Resolutionen zu Boykott, De-Investition und Sanktionen (BDS) sind auf verschiedenen kanadischen Campussen diskutiert worden.

Mohamed Elmasry, Professor an der Universität von Waterloo war früher Leiter des Canadian Islamic Congress. Er argumentierte 2004 in einer Talkshow in Toronto, dass alle Juden in Israel im militärfähigen Alter (ab 18 Jahre) ein legitimes Ziel für Terror seien, weil sie „nicht unschuldig“ sind. Elmary entschuldigte sich später. Er hat Juden auch beschuldigt ethnische Säuberungen, Apartheid, die Invasion des Irak initiiert zu haben und eine jüdische „Konspiration“ zu bilden, die die kanadische Regierung führt.

Verschiedene muslimische Gemeindezeitungen sind beschuldigt worden den Holocaust leugnende Artikel veröffentlicht zu haben. Es wurde festgestellt, dass muslimische Schulen wie die East End Madrassah von Toronto antijüdischen Hass lehren. 2011 waren auf der Demonstration zum „Al-Quds-Tag“ am Parlament von Ontario antisemitische Kommentare zu hören, woraufhin dieses sich weigerte den Organisatoren den Zugang zum Gelände zu gestatten.

Die wichtigste Antiisrael-Gewerkschaft ist Ontarios Zweig der Canadian Union of Public Employees (CUPE – Kanadische Gewerkschaft öffentlicher Angestellter). 2006 stimmte sie zum Beispiel einstimmig für die Unterstützung der „Internationalen Kampagne für Boykott, De-Investition und Sanktionen gegen Israel“. Die nationale Leitung der CUPE distanzierte sich von der Resolution von Ontario.

Die United Church of Canada hat eine fünf Jahrzehnte lange Geschichte antiisraelischer Rhetorik. 2012 befürwortete sie die Kampagne „Unsettling Goods“ (wörtlich: destabilisierende Waren; in Englisch ein Wortspiel mit „settlement/settler“: „Waren entsiedeln“) zum Boykott einer Liste von Artikeln, die israelische Firmen in der Westbank herstellen. 2009 beendete der kanadische Immigrationsminister Jason Kenny von der Konservativen Partei die Zahlung von Regierungsgeldern – die 35 Jahre lang geflossen waren – an die NGO KAIROS. Kenney handelte aufgrund der leitenden Rolle von KAIROS in der BDS-Kampagne gegen Israel. Die NGO hatte die United Church unterstützt, ebenso die Kirchen der kanadischen Katholiken, Anglikaner, Presbyterianer, Evangelischen Lutheraner und Mennoniten.

Alle kanadischen politischen Mainstream-Parteien sind gegen Antisemitismus im Leben Kanadas und unterstützen die Existenz des Staates Israel. Die drei großen Parteien – die Konservativen, die NDP und die Liberalen – haben BDS-Bemühungen verurteilt. In seiner Rede 2014 vor der Knesset zeigte der konservative Premierminister Steven Harper, dass er die Botschaft übernommen hatte, dass Gegnerschaft zur Politik des Staates Israel zwar zu freier Meinungsäußerung gehört, aber zu antisemitische Folgen führen kann und dies auch tut.

Organisatorisch wird der Kampf gegen Antisemitismus und Antiisraelismus in Kanada von mehreren Organisationen geführt, darunter besonders das Centre for Israel and Jewish Affairs, das wichtige jüdische Verbände Kanadas sowie B’nai Brith Canada repräsentiert, zu dem aber auch Organisationen wie das Canadian Institute for Jewish Research, die Canadian Friends of the Simon Wiesenthal Center und HonestReporting Canada gehören.

B’nai Brith Canadas Liga für Menschenrechte hat seit 1982 unter verschiedenen Titeln eine zunehmend niveauvollere „Überprüfung antisemitischer Vorfälle in Kanada“ veröffentlicht. Sie zeigt einen zunehmenden Trend.

Die Canadian Parliamentary Coalition to Combat Anti-Semitism (CPCCA – Kanadische Parlamentarische Koalition zur Bekämpfung von Antisemitismus) wurde 2009 gegründet und gab 2011 ihren Bericht heraus. Er wurde ursprünglich von allen im Unterhaus repräsentierten Parteien vorgelegt. Der Bloc Quebecois stieg allerdings wegen Auseinandersetzungen darüber aus, die Koalition habe einen viel zu israelfreundlichen Ansatz und versuche Kritik an Israels Politik unter dem Mantel des Antisemitismus zu delegitimieren.

Über den Bericht der CPCCA wurde in den Medien weithin berichtet. Sie verstanden das allgemein so, dass Kanada sich in eine Brutstätte antisemitischer Aktivitäten verwandelte, besonders an Universitäten. Der Bericht scheint jedoch keinen dramatisch großen Einfluss auf den kanadischen Diskurs zu Antisemitismus und Antiisraelismus gehabt zu haben.

 

 

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