CAMERA: Bekämpfung der verzerrten Medienberichterstattung zu Israel

CAMERA: Bekämpfung der verzerrten Medienberichterstattung zu Israel

Manfred Gerstenfeld interviewt Andrea Levin (direkt vom Autor)

Pro-israelische Medienbeobachtung in den USA ist im Verlauf der letzten 20 Jahre rapide angewachsen. Die explosive Expansion des Internets ermöglicht Medienbeboachtungs-Organisationen, ihre Befunde rasch per E-Mail an viele Leser zu übermitteln oder sie ohne große Kosten auf Internetseiten zu veröffentlichen.

Die Berichterstattung der Medien zum Nahen Osten ist oft deformiert. Es gibt keinen durchsetzbaren Verhaltenskodex, der auf die Medien angewandt werden kann. Man kann daher Veränderung nur auf zweierlei Weise erreichen. Zum einen geht das über private Appelle um Genauigkeit, Balance und Fair Play, zum anderen durch öffentliche Aufdeckung journalistischer Verfehlungen.

Andrea Levin ist seit 1990 Vorstandsvorsitzende des in Boston ansässigen Committee for Accurcay in Middle East Reporting in America (CAMERA). Diese Organisation ist sowohl Pionier als auch führend im Bereich der pro-israelischen Medienbeobachtung. Davor war Levin Mitherausgeberin einer politischen Zeitschrift an der Kennedy School of Government an der Universität Havard.

Levin sagt: Wir verfolgen alle wichtigen Print- und elektronischen Medien in den Vereinigten Staaten, ebenso alle professionellen Zeitschriften, Internetseiten, Enzyklopädien, Reiseführer und so weiter. Erfolg bei der Medienbeobachtung manifestiert sich in verbesserter Genauigkeit und Herstellung von Zusammenhängen in den kritisierten Medien. Einige der Erfolgsgeschichten von CAMERA betreffen die New York Times, Reuters und den Public Broadcasting Service (PBS).

Wir konzentrieren uns hauptsächlich auf die Kontaktaufnahme mit den Medien und dass sie ihre Fehler berichtigen. Dazu gehören tägliche Interaktionen zwischen unseren fest angestellten Mitarbeitern und Medienorganen; CAMERA ruft auch regelmäßig sein Netzwerk an Aktivisten auf, unausgewogene Bericht anzufechten. Darüber hinaus stellen CAMERAs Mitarbeiter laufend Kritiken auf der CAMERA-Internetseite und Blog ein und schreiben und Op-Eds, Briefe und Artikel zu, die in Zeitungen, Zeitschriften und auf Internetseiten erscheinen und die Dinge richtigstellen. Zusätzlich veröffentlichen wir den CAMERA Media Report, unser Magazin und Aushängeschild, das an Journalisten, CAMERA-Mitglieder, Bibliotheken, Synagogen und den Kongress geschickt wird.

Wir haben Monografien und Sonderberichte veröffentlicht; Themen waren zum Beispiel die Voreingenommenheit von National Public Radio, arabische Bautätigkeit in Jerusalem, Jimmy Carters voreingenommenes Apartheid-Buch, der israelischen Gaza-Kampagne Gegossenes Blei und das Phänomen von Juden, die Israel verleumden. Sie werden an Tausende Menschen verteilt, dazu an gewählte Offizielle. Wir veranstalten auch in vielen amerikanischen Städten Medien-Konferenzen und schalten ganzseitige Anzeigen zu Schlüsselthemen wie antiisraelische Hetze und verzerrte Berichterstattung zu Terrorismus. In der Vergangenheit haben wir Anzeigen im Boston Globe, der Washington Post, der New York Times, der Los Angeles Times, bei NPR, CNN, PBS und weiteren geschaltet.

CAMERA hat 65.000 zahlende Mitglieder, Büros in sechs Städten und tausende aktiver Briefeschreiber. Wir haben regelmäßig Kontakt mit einer großen Vielfalt an Experten, wenn wir Fakten überprüfen müssen. Außerdem haben wir ein Programm, das wir CAMERA Fellows nennen; dieses bietet Studenten intensives Training in effektivem Pro-Israel-Aktivismus.

Ein besonderes Anliegen ist die New York Times gewesen, die weiterhin besonders als Trendsetter andere Medienorgane beeinflusst, die ein Spiegel ihrer Artikelauswahl und Schwerpunktsetzung sind. Wie in der Vergangenheit tendiert die Zeitung dazu die Probleme der Palästinenser und das Fehlens von Frieden schwerpunktmäßig Israel aufzubürden. Die Rolle der Palästinenser bei der Anheizung des Konflikts wird vernachlässigt. Zudem hat The Times angesichts des zunehmenden globalen Antisemitismus weitgehend geschwiegen, hat fast nichts getan, um die einseitige Feindseligkeit gegenüber Israel offenzulegen. Von den Nachrichten- über die Kommentar und sogar bis hin in die Kulturseiten hat die Times eine nicht zu leugnende Schräglage gegen Israel. Viele andere Mainstream-Medien bieten einseitige Darstellungen Israels, so das Magazin The New Yorker, der Economist und derGuardian.

Das Internet hat die Dynamik offensichtlich verändert, indem dem Diskurs zahllose neue Stimmen hinzugefügt wurden – einige zum Besseren, andere zum Schlimmeren.

Verdrehungen entgegenzuwirken und Informationen zu Israel zu verbessern ist ein Prozess, der viel abverlangt. Zu den Beobachtungsaktivitäten gehört, dass CAMERA-Mitarbeiter die Print- und elektronischen Medien so gründlich wie möglich verfolgen und dieses Material sichten, um auf die wichtigsten Probleme zu reagieren. Die Mitarbeiter kontaktieren Redakteure und die Reporter vor Ort. Ziel ist es, alle Fehler anzugehen, sowohl in den Nachrichten- wie in den Kommentarseiten und Korrekturen in die Blätter zu bekommen.

Eine Art, den Erfolg dieser Arbeit zu messen, besteht in der Beobachtung bestimmter Storys und Themen, über die ungenau berichtet wird und wann wir die Berichtigung abgedruckt bekommen, um zu sehen, ob die Medienorgane zu demselben Thema in der Zukunft korrekt berichten. Viele Male haben wir langfristigen Einfluss und verbesserte Akkuratesse gesehen. Ein weiterer Aspekt für Erfolg ist das klare Gespür, dass es nach unserer Intervention spürbar mehr Sorgfalt bei einigen Zeitungen und Sendern gibt, mehr Aufmerksamkeit für Zusammenhänge, Ausgewogenheit und Genauigkeit.

Die große Herausforderung besteht im Ausmaß der Berichterstattung und im Internet, fehlenden Standards und Verantwortlichkeit. 2007 startete CAMERA auch ein Projekt in spanischer Sprache, 2009 eine hebräischsprachige Internetseite namens Presspectiva, die sich darauf konzentriert israelischer Leser bezüglich der Wichtigkeit zu bilden ihre eignen Medien zur Verantwortung zu ziehen.

Levin schließt: Entscheidend ist, die Fakten auf die Reihe zu bekommen. Das ist der Grund, warum die Korrektur falscher Äußerungen so wichtig ist. Diese Korrekturen haben einen internen Einfluss bei dem Medienorgan und oft nachhaltige Auswirkungen mit Veränderung der Berichterstattung zum Besseren.

 

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